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Der Kittefjäll - Lapplands perle

Im Kittelfjäll ist mit der Natur nicht zu spaßen. Man muss vorbereitet sein und wissen, was man tut. Und genau so wollen es die Naturliebhaber hier haben.

Eigentlich wollten wir zur Sauna im Kittelfjäll, aber der Zufall hat uns stattdessen auf Pferderücken verschlagen, was sich so naja anfühlt. Der kleine Junge in mir fühlt sich wie Lone Ranger auf seinem Pferd Silver, während mein rationales Ich sich fragt, wie lange der nächste Krankenwagen brauchen wird um mich abzuholen.

Ich bin nämlich kein geübter Reiter. Genauer gesagt bin ich überhaupt kein Reiter, und ich habe vollauf zu tun, Gleichgewicht und Würde zu behalten, als es in den Galopp geht. Die Tiere dampfen in der kalten Luft und bewegen schnell bergab durch den Wald. Mein Pferd heißt Tornado Spirit, wird aber Ausreißer genannt, was nichts Gutes verheißt.

Wir sind zu viert und reiten schnell in Richtung Süden, hinein in den Nordrand des Marsfjället-Naturreservats. Und ich bin überrascht, wie schnell wir in totale Abgeschiedenheit gelangen. Keine Häuser sind zu sehen, kein Motor zu hören, nur das Schnauben und Hufeklappern vom Ausreißer. Und mein Herzschlag. Es scheint, als höre die Zivilisation auf, sobald wir den Asphalt verlassen. Und das ist vielleicht gar nicht so seltsam. Die Bevölkerungsdichte in Vilhelmina liegt bei nicht einmal einem Mensch pro Quadratkilometer, und nur ein paar Hundert nennen Kittelfjäll ihr Zuhause. In meinem Häuserblock wohnen schon mehr.

Kittelfjäll ist ein Paradies für Tiefschneefahrer. Aber Sommerwanderer treffen dort auf deutlich weniger Menschen. Wer an den Kungsleden gewöhnt ist, findet es vielleicht sogar ausgestorben. Die Gegend gehört zu den Gebirgszügen um Vilhelmina und liegt ein wenig zu südlich, um zum Königsleden zu gehören, der ein paar Kilometer nördlich in Hemavan endet. Kittelfjäll liegt ein ganzes Stück nördlich vom Jämtlandsfjäll. Irgendwie dazwischen, Wanderer nennen ihn den großen weißen Fleck in der schwedischen Gebirgslandschaft.

Und das liegt nicht daran, dass mit diesem Gebirgszug etwas nicht stimmen würde. Der imponierende Marsfjället erhebt sich beispielsweise 1 589 m über den Meeresspiegel, also nur ein paar Hundert Meter weniger als der höchste Gipfel der nordschwedischen Region Västerbotten - der Norra Sytertoppen im Vindelfjällen. Vielleicht hat das südliche Lappland einfach nur die Geographie gegen sich. Es gibt keine größeren Stadt wie Gällivare, Kiruna oder Östersund in der Nähe, die als Anfahrtsort für Touristen dienen könnten. Der nächste Flughafen liegt in Vilhelmina, aber dorthin sind es über 120 km, und es gibt meistens nur zwei Flüge pro Tag. Ein Fluch für alle, die mehr Touristen anlocken wollen, aber ein Segen für alle, die ihre Ruhe haben wollen. Und damit klarkommen.

Die Straße nach Kittelfjäll - der schöne Sagavägen - führt zwar nach Norwegen, ist aber erst seit 2007 asphaltiert und hat nur von einem Bruchteil des Verkehrs, den die E12 nach Tärnaby und Hemavan führt. Und vom Kittelfjäll nach Norwegen hinein gibt es auch keine größeren Städte, die die Funktion erfüllen würden, die beispielsweise Trondheim für Åre hat, Narvik für Abisko, Mo i Rana für Hemavan und, wenn auch in geringerem Umfang, Røros für Funäsdalen.

Deshalb kommt im Kittelfjäll die Natur näher heran. Selbst in der Wintersaison gleicht die Besuchermenge einem Rinnsal im Vergleich zu Touristenattraktionen wie Sälen und Åre. Man braucht nur die Anzahl der Skilifte miteinander zu vergleichen: Kittelfjäll hat vier, Lindvallen in Sälen hat allein schon 48. Im Kittelfjäll geht es stattdessen um Freeriden in unberührtem Schnee, und die Höhenmeter nimmt man mit dem Hubschrauber oder man lässt sich hochziehen. Oder für die richtig Hartgesottenen, auf Steigfellen.

Die noch geringeren Menschenmengen im sommerlichen Kittelfjäll bedeuten, dass Tiere und Pflanzen sich so verhalten können, wie sie es tun, wenn keine Menschen in der Nähe sind. Polarfuchs und Polareule sind notorisch scheu, aber hier gibt es sie. Besonders wenn es ein Lemmingsjahr ist. Die für Feuchtgebiete typischen Arten wie Regenbrachvogel, Saatgans und Kampfläufer bekommt man deutlich einfacher ins Visier.

Die Naturreservate Marsfjället und Skalmodal gehören beide zum EU-Netzwerk Natura 2000, das 1992 für bedrohte Schutzgebiete in ganz Europa eingerichtet wurde. Insgesamt 828 309 Hektar sind in der Region Västerbottens län als Naturreservate ausgewiesen, und ein Zehntel davon - 86 000 Hektar - macht das Naturreservat Marsfjället aus.

Für Wanderer führt ein Weg in südwestlicher Richtung in das Reservat hinein, entlang dem Nordstrand des Rissjön. Nach reichlich zehn Kilometern kann man an der Hütte Blerikstugan die erste Rast einlegen. Es ist bezeichnend, dass die Hütte vom schwedischen Touristenverein gebaut wurde, dann aber Vilheminas samischen Rentierzüchtern überlassen wurde, weil es zu wenige Gäste gab. Von der Bleriksstuga führt der Weg südlich direkt zwischen zwei Gipfeln des Marsfjället hindurch und auf der anderen Seite abwärts zur Hütte Marsfjällskåtan. Wenn man will, kann man weiter nach Fatmomakke kyrkstad laufen oder nach Norden in Richtung Borkan abbiegen oder zurück zum Kittelfjäll wandern. Manche Besucher gehen abseits der Wege und haben die beeindruckenden Fischseen rund um den Kittelfjäll als Ziel. Im Vojmån und anderen Flüssen gibt es Äschen und Forellen, während man in den Seen Saiblinge findet. Für Jäger gibt es reichlich Rebhühner, Elche und Kleinwild.

Erfahrene Bergmenschen sprechen manchmal von „Halts-Maul-Stellen“ - Orte, die durch ihre Abgelegenheit wunderbar sind und durch zu viele Besucher nur zerstört werden würden. Der Kittelfjäll würde gut auf so eine Liste der schwedischen Bergregionen passen.

Wenn man den Proviant vergisst, sind es 329 Kilometer bis zum nächsten McDonalds

Die Anforderungen steigen jedoch in der relativen Abgeschiedenheit, derer sich der Ort heute erfreut. Der Spielraum ist für den, der sich draußen in der Natur bewegt, aus selbstverständlichen Gründen gering. Man muss wissen, was man tut. Jemand hat gesagt, dass uns das Gefühl der völligen Kontrolle über das, was mit uns passiert, in die Berge zieht. Wenn ich meine Wärmejacke vergessen habe, muss ich frieren. Und wenn man den Proviant vergisst, sind es 329 Kilometer bis zum nächsten McDonalds, der in Umeå liegt. In so einer minimalistischen Umgebung liegt Bequemlichkeit in der Verantwortung jedes Einzelnen, und das kann man sowohl als Befreiung als auch als Herausforderung empfinden.
Was der Kittelfjäll an bescheidenem Luxus bietet, ist wohl die Sauna. Eine der teuersten in der schwedischen Bergwelt und, wie gesagt, der ursprüngliche Grund, weshalb wir hergekommen sind. Aber wenn man den Besuch rekapituliert, ist natürlich das Abenteuer mit dem Ausreißer der Höhepunkt. Das Ruckeln, die eingeschlafenen Finger, die peitschenden Zweige, die Unruhe, das Herzklopfen.

Man sagt, dass das Streben nach Komfort der Feind der Großtaten ist, und sollte das stimmen, ist der Kittelfjäll eine einzige Einladung. Wagst du‘s?

Der Kittelfjäll

Auch bekannt als: Tjiehtele im Südsamischen.
Region: Lappland
Flughafen Vilhelmina: www.southlaplandairport.com